Mit "Le Ramage du Corbeau" verwandelt sich die Fantasie der Fabel in ein Klangtheater für Solo-Flöte: ein Wald voller Flügel, Atemzüge, heimlicher Rufe und kaum verhohlener Rivalitäten. Das Stück spielt mit der Mehrdeutigkeit zwischen Gesang und Geräusch, zwischen Verzierung und Bedrohung, und hinterfragt subtil den Begriff des "Ramage": Ist es das Gefieder, das verführt, oder die Stimme, die fasziniert? Der Augenzwinkern zum Titel "Phoenix", der vom Fuchs vergeben wurde, wird hier zum poetischen Anlass, Farben, Klangfarben und klangliche Verhaltensweisen zu variieren.
Die Partitur hebt ein breites Spektrum zeitgenössischer Techniken hervor, die sich auf Material und Luft beziehen: aeolische Klänge zur Schaffung von Atmosphären, whistle tone und Obertöne für fragile Klangblitze, bisbigliandi und Glissandi, um den Diskurs wellenförmig zu gestalten, nicht zu vergessen die Flatterzunge, um den Angriff zu verdichten und Relief zu verleihen. Diese Verfahren sind keine bloßen Effekte: Sie strukturieren das Hören, zeichnen den Raum und suggerieren multiple Präsenz innerhalb eines doch einsamen Instruments.
Was Gestik und Dynamik betrifft, fordert die Schreibweise Klappenschläge, Pizzicati, Tremoli sowie sehr lebendige Tempovariationen (rhythmische Beschleunigungen und Verzögerungen). Für fortgeschrittene Flötisten gedacht, verlangt dieses Stück eine solide Technik, vor allem aber die Beherrschung von Phrasierung, Timbreübergängen und Atemkontrolle, um die Kontraste zwischen texturierten Passagen und traditionelleren Schreibmomenten feinfühlig auszudrücken. Eine Interpretation, die mit Präzision, Inbrunst und Erzählkunst zu genießen ist.