Das Wesentliche zur Partitur Verone
Mit "Le Chant du Loup" etablierte Jérémy Manca eine Schreibweise für Violoncello-Solo, die zugleich prägnant und erzählerisch ist. "Verone" setzt diese Ästhetik fort, indem sie in die vibrierende Masse eines Sextetts - erweiterbar zu einem echten Violoncellorchester - projiziert wird. Ein Auftrag des Festivals Cellofan auf Wunsch von Frédéric Audibert, uraufgeführt im Juli 2023 in Callian, reiht sich das Werk in die große Tradition der Violoncell-Ensembles ein und bringt dabei eine rhythmische Modernität sowie harmonische Farben mit Jazzfärbung ein.
"Verone" gliedert kontrastreiche Bilder, in denen die singende Linie auf treibende Zellen mit scharfen Rhythmen trifft. Die Schreibweise nutzt die Komplementarität der Stimmen: Dialoge von Soli und Antworten im Tutti, gespannte Gegenstimmen, dichte harmonische Flächen und ein ständiges Spiel mit Registern, um die Palette des Violoncellos zu erweitern - vom tiefen Grundton bis zu den leuchtenden Höhen des Soprans. Die Jazz-Einflüsse zeigen sich in Synkopen, nervösen Akzentuierungen und erweiterten harmonischen Farben, ohne je die Klarheit des thematischen Diskurses zu opfern.
Konzipiert für sechs Violoncelli, aber auch für eine größere Besetzung gedacht, fördert dieses Sextett eine spektakuläre kollektive Resonanz, ideal für ein Konservatoriumsensemble oder ein Violoncellorchester im Konzert. Die hohe Schwierigkeit liegt sowohl in der rhythmischen Präzision und Intonation in dichten Aggregaten als auch in der Ausdauer und homogenen Artikulation. Dirigenten finden hier ein flexibles Material zum Gestalten, zwischen energetischer Pulsation, lyrischen Atempausen und Klimata progressiver Spannung.